02.07.2017

„Die fünf Jahre sind finanziell gedeckelt“

Interview mit Michael Meister (Blau-Weiß 90)

Es kann nur einen geben. Also hier ausnahmsweise mal nicht den Highlander, sondern den einen großen Favoriten für die nächste Saison in der Berlin-Liga. Wo man hinhört, fällt ein Name: Blau-Weiß 90. Für die meisten Kenner der höchsten Berliner Spielklasse wäre es bei der Vielzahl an hochkarätigen Verpflichtungen fast schon eine Sensation, wenn die Blau-Weißen in einem Jahr nicht die Nachfolge des SC Staaken antreten würden.

Maßgeblich verantwortlich für den Aufschwung des einstigen Bundesligisten ist Präsident Michael Meister (Foto: JouLux), der in den 1970er und 80er Jahren selbst für Blau-Weiß 90 spielte. Als Blau-Weiß in die Bundesliga aufstieg, war Meister aber nicht mehr dabei, er war u.a. im Amateurvorstand von Hertha BSC. Vor sieben Jahren kam er zurück, übernahm als Trainer die Altliga-Mannschaft und führte sie mit Ex-Profis wie Michael Schmidt, Goran Markov oder Marco Gebhardt, der seit zwei Jahren Trainer der 1. Männer ist, zu zahlreichen Titeln und sogar zur Deutschen Meisterschaft. Am vergangenen Wochenende war Meister, der 2013 den Vorsitz im Verein übernahm, mit der Ü 40 und der Ü 50 bei der NOFV-Meisterschaft in Bernburg am Start.

FuWo: Herr Meister, viele in Berlin glauben, der Berlin-Liga-Meister 2018 stehe schon fest. Was darf nicht passieren, damit es auch wirklich so kommt?


Michael Meister: „Ich will es mal umgekehrt formulieren: Dass wir oben mitspielen wollen, steht außer Frage. Aber es hängt eben von vielen Faktoren ab, ob man es dann auch tatsächlich schafft. Sicher haben wir eine hohe Qualität im Kader für die neue Spielzeit, aber eine Garantie für die Meisterschaft und den Aufstieg ist das noch lange nicht. Es gibt ja auch noch andere Vereine, die gute Mannschaften ins Rennen schicken, wie Mahlsdorf, Croatia, Tasmania, Stern 1900.“

Und die werden alle Jagd auf Blau-Weiß 90 machen. Die Gegner könnten den alten Slogan „Wir sind heiß auf Blau-Weiß“ auf andere Weise interpretieren als es die Blau-Weiß-Fans damals getan haben.

Meister: „Wir sind uns schon im Klaren, dass wir die Gehetzten sein werden. Das zeichnet sich jetzt schon ab. Man liest ja schon solche Sachen wie: ,Hellas-Nordwest greift Blau-Weiß 90 an‘ oder ,Croatia rüstet auf‘. Wir werden sehen, was passiert.“

Und was passiert, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht so schnell einstellt? Besteht die Gefahr, dass dann Sponsoren abspringen könnten?

Meister: „Nein, die Gefahr besteht nicht. Wir haben einen Fünfjahresplan aufgestellt, an dessen Ende im Idealfall die Regionalliga stehen soll. Das ist langfristig angelegt, auch weil wir die 2. Mannschaft und die A-Jugend mit hochnehmen wollen. Und wir haben zwar Spieler mit großer Qualität geholt, aber bis auf die erfahrenen Innenverteidiger Tim Lensinger und Tobias Francisco sowie Kiyan Soltanpour sind das alles junge Leute. Unser Sponsorenpool hat für diesen Zeitraum seine volle Unterstützung zugesagt, die fünf Jahre sind finanziell gedeckelt. Das ist unser großer Vorteil anderen Vereinen gegenüber, manchen geht ja schon nach einem halben Jahr die Puste aus.“

Es heißt auch immer wieder, die Spieler würden richtig viel Geld verdienen. Stimmt das?

Meister: „Das ist Schwachsinn. Die Spieler, die etwa von TeBe zu uns kommen, haben da das Doppelte bekommen, auch die, die jetzt von Altglienicke zu uns gewechselt sind, erhalten bei uns weniger. Die kommen, weil sie das Projekt und die Marke Blau-Weiß 90 gut finden. Bei solchen Aussagen ist leider oft viel Neid dabei. Es wird ja keiner zugeben, dass wir vielleicht das bessere Projekt bieten.“

Blau-Weiß 90 wurde schon vor der gerade zu Ende gegangenen Saison von manchen als kleiner Geheimfavorit gehandelt. Am Ende sprang Rang sieben heraus. Wie zufrieden waren Sie damit?

Meister: „Absolut zufrieden. Wir waren Aufsteiger und mussten eine komplett neue Mannschaft aufbauen. Wir wollten uns in der Berlin-Liga etablieren, das ist gelungen.“

Welcher Spieler hat Ihnen besonders gut gefallen?

Meister: „Einzelkritiken gibt es bei mir nicht. Die Mannschaft gewinnt oder verliert zusammen, das habe ich schon immer so gesehen. Schauen Sie sich den SC Staaken an. Das war auch eine echte Mannschaft mit einem tollen Trainer Jeffrey Seitz. Für die Staakener habe ich mich gefreut.“

Sie haben in Marco Gebhardt einen Ex-Profi als Trainer. Er ist für manche Journalisten nicht immer ganz pflegeleicht, besonders nach Niederlagen nicht.

Meister: „Er ist eben ein Vollbluttrainer, der total auf das Spiel fokussiert ist. Wenn Sie sich mal ein Training mit ihm anschauen, dann sehen Sie sofort, dass er von weiter oben kommt. Marco kann vor allem eins nicht leiden: Wenn er oder ein Ersatzspieler während eines Spiels angequatscht wird.“

Sie haben vor einem Jahr im FuWo-Sonderheft gesagt, dass Blau-Weiß 90 auf dem Platz viel selber machen müsse, weil das Sportamt kein Geld habe. Hat sich in dem Punkt etwas verändert?

Meister: „Ja, ganz erheblich. Wir haben seit einiger Zeit einen anderen Platzwart, der steckt Herzblut in seinen Job. Ich komme ja aus der Immobilienbranche und erwarte dort, dass die Hauswarte die Häuser so behandeln, als wären es ihre eigenen. So agiert auch unser neuer Platzwart. Als ich vor Jahren hier anfing, sah die Geschäftsstelle aus wie ein Ersatzteillager. Dann habe ich aufgeräumt und eine Basis geschaffen. Es ist noch nicht alles optimal, aber es sieht alles schon wesentlich besser aus.“

Interview: Bernd Karkossa

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