25.01.2014

Die doppelte Tasmania

In vielen Quellen wird ein Fußballverein namens Rixdorfer TuFC Tasmania 1900 als ein Berliner Gründungsmitglied des DFB geführt, wobei die genaue Vereinsbezeichnung mitunter stark variiert. Der einzige Schönheitsfehler an dieser Angabe ist, dass sich der oben genannte Verein am 2. Juni des Jahres 1900 gründete. Die Gründungsversammlung des Deutschen Fußball Bundes fand jedoch am 28. Januar, also gut fünf Monate bevor Tasmania 1900 gegründet wurde, in Leipzig statt.

Zehn Jahre zuvor hatte sich aber in Berlin bereits ein Fußballverein namens BFC Tasmania 1890 gegründet. Dieser Verein nahm in den ganz frühen Jahren des Fußballs an den Meisterschaften verschiedener Verbände teil. So existiert ein Eintrag aus der Saison 1891/1892 vom Bund Deutscher Fußballspieler und einer aus der Saison 1893/94 vom Deutschen Fußball- und Cricketbund. In den folgenden Jahren verliert sich jedoch die Spur. In der damaligen Zeit war es nicht ungewöhnlich, dass sich Vereine gründeten und auch wieder auflösten oder munter zwischen den zahlreichen existenten Verbänden hin- und her wechselten.

Das Gründungsmitglied Tasmania wird in den einschlägigen Quellen als Mitglied des VDB (Verband Deutscher Ballspielvereine) geführt und ließ sich wie alle übrigen seiner Mitglieder von Fritz Boxhammer in Leipzig vertreten. Die Vereine des VDB traten jedoch offiziell erst im Juni des Jahres 1900 dem DFB bei und damit wiederum erst knapp nach der offiziellen Gründung von Tasmania 1900. Genaue Quellen existieren nicht und so wird es sich wohl nicht endgültig klären lassen ob und welches der beiden Tasmanias offiziell als Gründungsmitglied angesehen werden kann. Zumal das weitere Schicksal vom BFC Tasmania 1890 nicht bekannt ist. Nach 1900 taucht der Verein trotz guter Quellenlage in keiner Tabelle mehr auf. Nicht unmöglich also, dass es vielleicht personelle Überschneidungen zwischen beiden Vereinen gab und die Neugründung den alten Verein mit starker Namensähnlichkeit ablöste.

In jedem Falle aber entwickelte sich das „neue“ Tasmania vom Start weg prächtig. Im Jahr 1904 folge der Beitritt zum Märkischen Fußball Bund, einem der Vorläufer des BFV, dessen Meister Tasmania 1909 wurde und erstmals an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft teilnehmen durfte. Den Meistertitel konnte man auch in den beiden folgenden Jahren verteidigen. In der „Deutschen“ erreichten die Tasmanen zumindest 1910 etwas Nennenswertes und drang bis ins Halbfinale vor. Hier unterlagen die Tasmanen Holstein Kiel im Hamburger Stadion Hohe Luft deutlich mit 0:6. Eine kleine Namensänderung erfolgte zudem 1907. Der Verein nannte sich nun Rixdorfer FC Tasmania 1900. Zeitgleich mit der Umbenennung des Heimatbezirkes erfolgte 1912 die Namensänderung in Neuköllner SC Tasmania.

Sportliche Erfolge blieben in den kommenden Jahren aus, da die Konkurrenz den Tasmanen zu überlegen war. 1940 schloss sich der SC Atilla den Tasmanen an. Nach dem Krieg folgte dann das wesentliche Kapitel in der Vereinsgeschichte, wofür Tasmania bis heute im ganzen Land bekannt ist. Zuvor erfolgten jedoch die Umbenennungen in SG Neukölln-Mitte (1946 bis 1948) und SC Tasmania 1900 Berlin (ab 1949), nachdem von den Alliierten die alten Vereinsnamen wieder erlaubt worden waren.

Anfang 1965 wurden bei Kontrollen der Kassenbüchern von Hertha BSC Fehlbeträge festgestellt und der Verein aus der Bundesliga ausgeschlossen. Nach einigem hin- und her beschloss der DFB schließlich, statt Hertha BSC die Tasmanen in der kommenden Saison der Bundesliga starten zu lassen. Den Tasmanen blieben nur wenige Tage Zeit, sich auf das Abenteuer Bundesliga vorzubereiten. Sogar Reiserufe vom ADAC wurden bemüht, um alle Spieler aus dem Urlaub zurückrufen zu können. Und es kam, wie es kommen musste. Die wacker kämpfenden Tasmanen hatten nicht den Hauch einer Chance, mit den etablierten Vereinen der Bundesliga mitzuhalten. Mit nur zwei Siegen und 108 Gegentoren stieg der wohl für immer letztplatzierte der ewigen Bundesligatabelle wieder ab. Die Tasmanen peilten in den kommenden Jahren mehrfach den sportlichen Wiederaufstieg an. Dabei verhoben sich die Vereinsoberen jedoch kräftig, sodass der Verein im Sommer 1973 Konkurs anmelden musste.

Da das Ende bereits absehbar war, hatten Eltern von Jugendspielern jedoch bereits ein halbes Jahr zuvor im Februar 1973 SV Tasmania 73 Berlin gegründet. Er trat praktisch an die Stelle der alten Tasmania ohne dabei die Rechtsnachfolge inne zu haben. Von der C-Klasse aus arbeitete sich der Verein wieder nach oben und war in den 80er Jahren ein Stammgast in der Oberliga Berlin. Nach der Wende konnte der Verein sich in den Spielzeiten 97/98 und 98/99 sogar für die überregionale Oberliga Nordost-Nord qualifizieren. Dann folgte der Abstieg bis in die Landesliga. Im Jahr 2000 erfolgte eine Umbenennung in SV Tasmania Gropiusstadt. Elf Jahre später nahm man wieder den Namen SV Tasmania Berlin an. 2012 erfolgte der bislang letzte Aufstieg in die Berlin-Liga, wo der Verein derzeit den fünften Platz belegt.

Von Denis Roters

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