17.07.2016

Der Favorit liefert

Minerva 93, der Traditionsverein aus Moabit, steigt ohne Niederlage in die Kreisliga A auf

Freuen sich über eine nahezu perfekte Saison: die Spieler des SC Minerva 93. Als Lohn für die Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisliga A spendierte der Vorstand eine Reise in die Türkei. Foto: JouLux

Vor der Saison gehörte Minerva 93 zu den Favoriten. Prompt lieferten die Moabiter – und wie: Nach makelloser Vorrunde patzte die Mannschaft in der Rückrunde nur zwei Mal. Jeweils gab es auswärts ein 3:3, zum Rückrundenstart ersatzgeschwächt beim FC Liria II und dann beim Mitaufsteiger TuS Makkabi II. Eine perfekte Saison also, wie sie sich der Vorsitzende Dietmar Gottemeier (Foto: JouLux) lange gewünscht hatte. „Die Erste stieg auf, die Zweite stieg auf, die Altliga hielt die Klasse…“ Und auch im Jugendbereich geht‘s sichtbar voran.

Bei der Zusammenstellung der „Ersten“ hatte Gottemeier ein gutes Händchen. Die Mannschaft wollte Murat Ilkyol als Trainer neben Frank Bitermann. Und das bewährte sich nach zuvor zwei neunten Plätzen. Denn Ilkyol (40) kennt die Spieler aus Moabit/Wedding ganz genau. Und umgekehrt wissen sie, dass er keine Sprüche macht. So hat Minerva es auch mit der Aufstiegsmannschaft gehalten: Die erhielt als Prämie eine Reise in die Türkei. Der Dank ging an Gottemeier, den die Spieler „Baskan“ (Präsident) nennen.


Die Reise hatte sich die Mannschaft redlich verdient. Denn die Moabiter brachen einige Rekorde. Als einziges Team der Kreisliga B bleiben sie ohne Niederlage. Sie waren die beste Heim- und Auswärts- sowie die jeweils beste Mannschaft der Hin- und Rückrunde. Ihre Abwehr war mit 29 die stabilste. Und in der Rückrunde schossen die Minerva-Spieler in 14 Spielen stolze 78 Tore. Minerva gewann zwölf Mal zu Null, davon neun mal in den 14 Heimspielen. Und dass es nur ein zweistelliges Ergebnis gab (11:1 gegen Gosen) lag eher an der Verspieltheit der Elf. Man hatte auch den Rekordtorschützen der ersten zehn Minuten: Binnen neun Minuten erzielte Emrullah Demirtas gegen Eiche Köpenick sieben Treffer – dann gaben die Gäste auf. Mit 47 Treffern musste er sich nur Makkabis Ilie Burlacu (56) beugen.

Die größte Stärke Minervas war das große Aufgebot und seine Stabilität. Und hier wiederum die Defensivabteilung um Torwart Olcay Bekret. Gökhan Sevik und Marcel Hellmann machten 24 Spiele mit. Fast immer dabei war auch Berkan Cankaya. Dazu kamen Torjäger Demirtas, der nur drei Spiele pausierte, sowie Oguzhan Bedirkurum mit 21 Einsätzen. Zu den Stützen gehörten auch die zur Rückrunde gekommenen Hassan Allouch (Ilkyol: „Der kann links wie rechts spielen, ist ein fantastischer Mann“) oder auch Sinan Yildiz, der ebenfalls sofort einschlug.

Ein weiteres Plus: Viele Spieler kennen sich schon seit Jahren. „Fast alle stammen aus der Gegend rund um die Lehrter Straße nahe dem Poststadion“, erzählt Ilkyol. Und die Mannschaft bleibt auch in der Kreisliga A zusammen. „Wir suchen noch drei, vier Spieler“, sagt Ilkyol. Darunter ist ein Stürmer. Er soll Cankaya ersetzen, der zu Hi­lalspor wechselt. Ilkyol: „Ich begrüße das. Er kann sich dort weiterentwickeln.“ Ein Wechselkandidat war auch Bedirkurum, der laut seines Trainers „mindestens Landesliganiveau“ hat. Doch Bedirkurum bleibt in Moabit.

Die Zielsetzung für die neue Saison in der Kreisliga A ist klar: „Wir wollen oben mitspielen.“ Platz drei bis fünf sieht Ilkyol als realistisch an. Und Minerva will auf jeden Fall in absehbarer Zeit in die Bezirksliga: „Da gehören wir hin. Die Landesliga wäre wohl zu viel für die Struktur des Vereins.“ Ilkyol wird dies künftig aus anderer Position steuern, als Sportdirektor. Das ist einerseits seiner beruflichen Überlastung geschuldet, andererseits bleibt er weiter, wie von den Spielern gewünscht, nah dran an der Mannschaft. Seine beiden Nachfolger sind derweil ein Beleg für ehrgeizige Ziele: Ex-Profi Faruk Namdar (einst 2. Liga u.a. bei Hannover 96, Tennis Borussia). und Ali Begic, einst in Berlin in höheren Klassen aktiv, übernahmen das Traineramt. Bei den Moabitern sind jedenfalls alle optimistisch, dass das neue Duo zusätzliche Impulse vermitteln kann. Schließlich kennt sie der neue Sportdirektor Ilkyol, wen wundert‘s, seit langem.

Die 121 Tore für den SC Minerva 93 erzielten:

erzielten Demirtas (47), Karagöz (14), Bedirkurum (12), Allouch (8), Aslan (6), Altindag (5), Addo (4), Cirkovic (3), Erbas (3), Goncüoglu (3), G. Cevic (2), Hellmann (2), Kara (2), Cankaya (2), Ergün, Höbek, Mustapha, Vatanlar, Yildiz sowie drei Eigentore.

Von Manuel Fernandes

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