15.01.2017

„Der 6. Platz wird für Hertha schwer genug“

Am Sonnabend kickte Marcus Feinbier (47) im Trikot des 1. FC Nürnberg beim Turnier der Legenden in der Max-Schmeling-Halle, die längste Zeit seiner Karriere verbrachte der gebürtige Berliner jedoch bei Bayer Leverkusen, am Sonntag letzter Hinrundengegner von Hertha BSC (Sonntag, 15.30 Uhr, BayArena). 1986 hatte Bayer-Manager Rainer Calmund den seinerzeit 17-Jährigen vom damals amtierenden Berliner B-Jugend-Meister Hertha 03 Zehlendorf an den Rhein gelockt. Für den robusten Mittelstürmer ging es gleich gut los: In seiner zweiten Saison stieg er als A-Junior zu den Profis auf und holte am Ende der Saison 1987/88 den UEFA-Cup. Insgesamt sechs Jahre blieb Feinbier beim Werksklub (69 Bundesligaspiele, drei Tore), so lange wie bei keiner seiner folgenden Stationen (u.a. Hertha, Wattenscheid, Nürnberg, Fürth, Düsseldorf). Bis heute lebt Feinbier mit Frau und zwei Töchtern in der Nähe von Leverkusen, wo er auch eine Fußballschule betreibt.

Fußball-Woche: Herr Feinbier, Sie sind in Ihrer Karriere viel herumgekommen, richtig heimisch sind Sie aber nur im Rheinland geworden?


Marcus Feinbier: „Ich habe fast 25 Jahre professionell Fußball gespielt, da gab es auch Stationen, wo es nicht so gepasst hat oder Situationen, wo man mich verkaufen musste, ich aber gerne geblieben wäre. Ich habe trotzdem überall Spaß gehabt, ich bereue nichts.“

Sieht man Sie am Sonntag bei Herthas Gastspiel in Leverkusen?

Feinbier: „Da werde ich wohl dabei sein, ist ja eine Top-Begegnung. Leverkusen ist sicher nicht da, wo sie sein wollen, bei Hertha bin ich gespannt, ob sie die tolle Hinrunde diesmal bestätigen können.“

Pal Dardai hat Platz 6 als Ziel ausgerufen. Trauen Sie der Mannschaft am Ende einen Europapokal-Platz zu?

Feinbier: „Es gibt viele Trainer, die ziehen ihr Ding einfach durch. Und es gibt solche, die schnell lernen – dazu gehört für mich Pal Dardai. Der weiß genau, was im letzten Jahr passiert ist. Wenn es geklappt hätte, wäre das ein Riesending gewesen, aber vielleicht auch ein Jahr zu früh. Der 6. Platz wird schwer genug, zumal etliche Mannschaften unten stehen – Schalke, Gladbach oder Leverkusen –, die dort eigentlich nicht hingehören, aber auch wieder international spielen wollen.“

Die genannten Vereine sind auch international noch im Rennen. Sie kennen das Problem der Doppelbelastung aus eigener Erfahrung.

Feinbier: „Damals gab es noch nicht solche Riesen-Kader wie heute. Wir hatten viele Verletzte, dadurch bin ich als A-Jugendlicher bei den Profis reingerutscht und durfte schon mal zu UEFA-­Cup-Spielen mitfliegen, später sogar mitspielen. Zu verdanken habe ich das meinem damaligen Trainer Erich Ribbeck, der sehr auf die Jugend gebaut hat. Dass ich am Ende auch noch den Pokal in den Händen halten durfte, war die Krönung.“ 

Wie ist Bayer überhaupt auf Sie aufmerksam geworden?

Feinbier: „Als B-Jugend-Meister haben wir mit Hertha 03 in der Endrunde auch gegen Bayer Leverkusen gespielt. In diesen beiden Spielen habe ich zwei Sahnetage erwischt: Zu Hause haben wir 2:0 gewonnen, ich habe beide Tore gemacht, beim 2:0 in Leverkusen habe ich ein Tor gemacht. Unser Weiterkommen war eine Sensation, ab da hatten die mich auf dem Schirm. Irgendwann wurde ich angesprochen und Rainer Calmund hat mir den Wechsel schmackhaft gemacht.“

Nach sechs Jahren Leverkusen sind Sie zurück nach Berlin, obwohl Hertha nur in der in der 2. Liga unterwegs war.

Feinbier: „Man darf nicht vergessen, Rainer Calmund hatte viele gute Spieler zu Bayer geholt, Tita, Jorginho, Ze Roberto und wie sie alle hießen. Ich war das kleine Küken: Immer dabei, auch regelmäßig gespielt, aber in meinen jungen Jahren habe ich es vielleicht auch zu locker genommen. Der Konkurrenzkampf war unheimlich groß, also habe ich mir irgendwann gesagt, probiere ich mal etwas anderes.“

Wie fällt ihre einjährige Hertha-Bilanz aus?

Feinbier: „Durchwachsen, würde ich sagen. Mit Bernd Stange gab es einen neuen Trainer, der musste sich als ehemaliger DDR-Nationaltrainer kurz nach dem Mauerfall selbst noch zurechtfinden. Wir hatten eine gute Truppe, damals noch mit Mario Basler, aber das war teilweise schon chaotisch. Wobei ich sagen muss, für Basler war die 2. Liga eine Klasse zu tief. Der hat überragende Dinge gemacht, nicht umsonst wurde bald Werder Bremen aufmerksam. Irgendwann war Günter Sebert Trainer, mit dem verstand ich mich nicht so gut, da habe ich mir einen neuen Verein gesucht.“

Sie haben nach ihrer Zeit bei Bayer Leverkusen nie mehr erstklassig gespielt. Woran hat es gelegen?

Feinbier: „Ich hatte zwar Angebote aus der Bundesliga, aber irgendetwas hat immer nicht gepasst. Irgendwann hatte ich mich an die 2. Liga gewöhnt, ich hatte Fuß gefasst und mir einen Namen gemacht. Und am Ende sind es immerhin fast 300 Spiele und knapp 100 Tore geworden. Vielleicht hätte ich am Anfang meiner Karriere mehr Gas geben müssen, im Endeffekt habe ich aber alles richtig gemacht.“

Interview: Alex Heinen

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