29.01.2017

„Der 1. FC Union wird seine Ziele erreichen“

Siebzehn Jahre lang war Frank Lieberam (54) als Fußball-Profi aktiv (1981 bis 1998, u. a. 1. FC Magdeburg, Stahl Riesa, Dynamo Dresden, VfL Wolfsburg), um dann nahtlos ins Trainerfach zu wechseln. Nach vielversprechendem Beginn (zwei Aufstiege mit Germania Halberstadt) sicherte sich 2004/05 der 1. FC Union die Dienste des Ex-DDR-Internationalen (19 Europacupspiele für Dresden, ein Länderspiel für die DDR). Allerdings konnte Lieberam die damals schwer taumelnden Köpenicker auch nicht vor dem Absturz in die Viertklassigkeit bewahren. Nach seiner Entlassung im Dezember 2005 übernahm der gebürtige Halberstädter zwei weitere Trainerjobs (Lok Stendal, MSV Neuruppin), entschied sich dann für eine Karriere als Spielerberater. In dieser Funktion verfolgt Lieberam seit rund zehn Jahren mit besonderem Interesse die Entwicklung seiner Ex-Vereine, so auch das Derby zwischen Dynamo Dresden und Union am kommenden Sonntag (13.30 Uhr, DDV-Stadion). 

Fußball-Woche: Herr Lieberam, in der Branche genießt Ihr Berufsstand nicht immer den besten Ruf. Sind die Klagen berechtigt?


Frank Lieberam: „Spielerberater bzw. Spielervermittler ist mittlerweile eine etablierte Position im professionellen Fußball, die sowohl vom Spieler als auch vom Verein gewollt ist. Alle vernünftigen Sportdirektoren und Trainer sprechen doch lieber mit einem kompetenten Gesprächspartner als mit dem Spieler selber.“

Gab es einen Grund, dass Sie diesen Berufsweg gewählt haben statt weiter als Trainer tätig zu sein?

Lieberam: „Ich war zehn Jahre als Trainer tätig, nach einer sehr langen Spielerkarriere. Ich wollte einfach etwas anderes machen, aber trotzdem beim Fußball bleiben. Der Fußball ist der rote Faden in meinem Leben.“

Sie haben die Wende als Spieler bei Dynamo Dresden erlebt, anschließend sind Sie 1992 nach Südkorea gegangen. Das klingt nach Abenteuerlust.

Lieberam: „Ich war schon immer sehr neugierig. Als die Mauer aufging, war meine Zeit in Dresden irgendwie vorbei. Bum-Kun Cha war damals Trainer bei Ulsan Hyundai und hat einen Verteidiger mit deutschen Tugenden gesucht. Also bin ich mit Frau und zwei Kindern für eine Saison nach Südkorea.“

Welche Eindrücke sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Lieberam: „Es gab dort sehr viele Talente, die hoch motiviert in jedes Training gegangen sind. Der sportliche Anspruch war sehr hoch, auch an mich. Ich dachte schon damals, mit einer entsprechenden Einstellung und etwas mehr internationalem Knowhow – das war ja noch weit vor der WM in Südkorea und Japan – werden die im Fußball mal eine sehr gute Rolle spielen. Die Entwicklung hat das dann ja auch bestätigt.“

Der Job als Trainer des 1. FC Union war, als Sie das Amt im Winter 2004/05 übernommen haben, auch eine große Herausforderung. Wie bewerten Sie ihre Zeit im Rückblick?

Lieberam: „Als ich kam, stand Union als Absteiger aus der 2. Liga mit neun Punkten abgeschlagen am Tabellenende der 3. Liga. Mit anderen Worten: Die Mannschaft hatte anderthalb Jahre nur verloren. Mir ist es gelungen, dieses fallende Schwert aufzufangen, die Mannschaft zu stabilisieren und mit meinem damaligen Partner Lothar Hamann dafür zu sorgen, dass die Spieler Selbstvertrauen gewinnen. Später folgten dann auch absolute Höhepunkte wie das 8:0 gegen den BFC Dynamo. Aber die Entwicklung war nicht so positiv rasant, wie die Verantwortlichen sich das vorgestellt hatten, also kam es zur Trennung.“

Haben Sie Ihr Köpenicker Engagement jemals bereut?

Lieberam: „Überhaupt nicht, das war eine Riesenerfahrung, ich möchte keinen Tag missen. Wir haben gemeinsam eine Mannschaft zusammengestellt, etliche Spieler sind viele Jahre beim Verein geblieben. Es war der Anfang einer kontinuierlichen Entwicklung, den ich als Trainer – wenn auch relativ kurz – begleiten durfte.“

Union drängt mit Nachdruck in Richtung Bundesliga. Alles nur noch eine Frage der Zeit?

Lieberam: „Wichtig war, dass Union immer eine klare Zielformulierung hatte, das hat dem Verein eine sehr gute Orientierung gegeben. Das sieht man auch jetzt wieder: Präsident Dirk Zingler hat deutlich gemacht, dass man in Deutschland unter die ersten 20 kommen will. Dafür hat man einen entsprechend erfahrenen Sportdirektor verpflichtet, auch der Trainer scheut sich nicht vor dieser Zielstellung. Der Transfer von Polter zeigt erneut, dass den Ankündigungen entsprechende Taten folgen. Ich bin überzeugt, dass der Verein seine Ziele erreichen wird.“

Dynamo Dresden hat sich vom Absturz der vergangenen Jahre ebenfalls gut erholt. Sind Sie überrascht, wie gut sich das Team bislang schlägt?

Lieberam: „Nein, weil ich die handelnden Personen sehr gut kenne. Seitdem Ralf Minge und Uwe Neuhaus das Sagen haben, war mir klar, dass sich dort etwas entwickeln wird. Noch dazu mit dem Umfeld in dieser fußballverrückten Stadt und mit diesem tollen Stadion.“

Wem trauen Sie eher zu, in dieser Saison nochmal oben anzugreifen?

Lieberam: „Ich bin da völlig neutral. Aber ich würde mir wünschen, dass es in dem Derby einen Sieger gibt, damit wenigstens ein Verein oben dran bleibt. Denn ich glaube nicht, dass es beide schaffen können.“

Interview: Alex Heinen

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