Mein Fußball-Woche

09.07.2017

DDR auf großer Tour

Keine drei Wochen sind die DDR-Fußballer nach der Sommerpause erst wieder im Training, da geht die Nationalmannschafts auf Tournee nach Südamerika. Erste Station ist Argentinien, wo im Boca-Juniors-Stadion in Buenos Aires ein Länderspiel gegen den kommenden WM-Gastgeber stattfindet. Während es für die Kicker von Trainer Georg Buschner der Aufgalopp in die entscheidende Phase der Qualifikation ist, beschließen die Gauchos mit dieser Partie ein Mammutprogramm mit sieben Länderspielen in sechs Wochen, in denen es nur eine Niederlage, ein 1:3 gegen Weltmeister Bundesrepublik Deutschland, gegeben hat.

Ganz so schlecht ziehen sich die Männer um Torhüter Jürgen Croy, Libero Hans-Jürgen Dörner und Sturm-Ass Jürgen Sparwasser nicht aus der Affäre, sind aber letztlich beim 0:2 (0:1) durch Tore von René Houseman (30.) und Jorge Carrascosa (72.) chancenlos, zumal ein eigentlich schön herausgespielter Treffer von Sparwasser (14.) keine Anerkennung findet. „In der Serie unserer Länderspiele war die DDR unser fairster Gegner“, findet Argentiniens Coach Cesar Luis Menotti, „sie hatte aber nicht die Klasse der BRD und Frankreichs, die hier am besten gefielen, während England und Schottland mit einer Super-Defensive sehr enttäuschten.“


Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt Konrad Weise als Vorstopper. In seinem 57. Länderspiel lässt der Abwehrmann des FC Carl Zeiss Jena seinem unmittelbaren Gegenspieler Leopoldo Luque kaum einen Stich und findet außerdem noch etliche Gelegenheiten, das eigene Angriffsspiel anzukurbeln. Nur ist gegen die von Daniel Passarella organisierte argentinische Abwehr kein Durchkommen. „In den ersten 30 Minuten blitzte einiges aus unseren besten Zeiten und Spielen auf“, urteilt Georg Buschner, „der Doppelschlag jedoch - unser Tor wurde nicht anerkannt, die Führung der Argentinier fiel aus einem klaren Abseits heraus – hat unsere Elf völlig aus dem Rhythmus gebracht.“

Diese Partie gegen den WM-Gastgeber 1978 ist das einzige Länderspiel dieser weiten Reise. Von Buenos Aires geht es zu drei Spielen nach Ecuador und Kolumbien. Dort aber sind Klubmannschaften Gegner der DDR-Auswahl.
Derweil bestreiten die 14 Oberliga-Teams in der Heimat ihr Vorbereitungsprogramm für die in fünf Wochen beginnende Meisterschaft. Der BFC Dynamo misst mit zwei namhaften Gegnern aus Polen die Kräfte. Beim 1:1 gegen Lech Poznan trumpft mit Rainer Troppa ein erst 18-jähriger Bursche auf, der als Defensivmann auch noch torgefährlich wird, einen Kopfball an die Latte setzt (8.) und schließlich die Führung erzielt (21.), die Lech-Linksaußen Justek aber noch vor der Pause (43.) ausgleicht. Auch beim 3:2 (3:1) gegen Odra Opole ist Troppa mit von der Partie, doch die Treffer erzielen mit Hartmut Pelka (23.), Frank Terletzki (27.) und Dietmar Labes (37.) andere Spieler. Für das Team aus Oberschlesien erzielt Haranczyk (22., 49.) einen Doppelpack. Trotz dieser beiden Gegentore gefällt neben Troppa mit Norbert Trieloff ein zweiter junger Mann im Abwehrzentrum gemeinsam mit dem erfahrenen Bernd Brillat.
Um einiges holpriger startet der 1. FC Union in die Vorbereitung. Gegen die Mannschaft aus der sowjetischen Garnison Elstal gibt es nach einer schwachen Vorstellung eine verdiente 1:2-Niederlage. Erst nach dem Wechsel, als mit Wolfgang Matthies und Joachim Sigusch zwei Stützen der Vorsaison ins Spiel kommen, gewinnt die Partie an Niveau. Trotzdem gelingt nicht mehr als die 1:0-Führung durch Sigusch (58.), der die Gäste durch Semjonow (61.) und Kalinin (67.) jedoch zwei Treffer entgegensetzen.

Von Robert Klein

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