22.03.2018

„Chance aufs Weiterkommen liegt bei 50 zu 50“

Interview mit Uwe Lehmann (Lichtenberg 47)

Februar 2018: Uwe Lehmann als lautstarker Trainer des SV Lichtenberg 47 in der Oberliga. Foto: JouLux

Topspiel des Viertelfinals im Berliner Pokal am Sonnabend ist zweifelsohne das Aufeinandertreffen von Regionalligist BFC Dynamo und Oberligist Lichtenberg 47. Lichtenberg ist zwar Außenseiter, 47-Coach Uwe Lehmann (35) rechnet sich jedoch durchaus Chancen aus.

Fußball-Woche: Herr Lehmann, Sie haben eine große BFC-Vergangenheit. Ist das Pokalspiel am Sonnabend gegen Dynamo deshalb etwas ganz Besonderes für Sie?

Uwe Lehmann:
„Ich bin als Fünfjähriger zum BFC und habe dort in der Jugend elf Jahre lang gespielt. Später im Männerbereich auch nochmal zweieinhalb Jahre. Trotzdem ist das jetzt als Trainer nichts Besonderes mehr für mich. Als Spieler war das noch ganz anders.“

Ein Höhepunkt in der laufenden Saison ist das Spiel aber schon, oder?


Lehmann: „Na klar. Natürlich war der BFC das schwerste Los, das wir kriegen konnten, aber das kennen wir ja schon aus den vergangenen Jahren. Ich weiß nicht, wer da immer die Kugeln zieht ...“

Ihre Mannschaft hat in der dritten Runde mit Viktoria 89 bereits einen Regionalligisten aus dem Wettbewerb geworfen. Hat sie sich dadurch Respekt verschafft?


Lehmann: „Ich glaube, dass beim BFC keiner die Hände hochgerissen hat, als das Los kam. Dass man uns nicht so leicht schlagen kann, das wissen die schon.“

Bei wie viel Prozent liegt die Chance für Ihre Mannschaft aufs Weiterkommen?

Lehmann: „Bei 50 zu 50. Der BFC Dynamo spielt eine ordentliche Runde, aber ich glaube, dass er gemessen an seiner Qualität auf Platz sechs oder sieben gehört. Natürlich ist Dynamo stärker, vor allem physisch. Doch wenn wir es schaffen, zwei, drei Leute wie etwa BFC-Kapitän Bilal Cubukcu aus dem Spiel zu nehmen, dann haben wir eine Chance.“

Ihr letztes Spiel als Aktiver haben Sie auch gegen den BFC Dynamo gemacht. Es war das 0:1 mit Lichtenberg 47 im Berliner Pokalfinale 2013. War das die bitterste Niederlage Ihrer aktiven Laufbahn?

Lehmann: „Nein, weil wir alles reingehauen haben, und da bin ich nicht traurig. Ärgerlicher war mal ein Finale mit dem Köpenicker SC gegen den 1. FC Union (2007, d. Red.), das wir 0:7 verloren haben. Sieben Bouletten – das war schlimm.“

Haben Sie beim Finale 2013 schon gewusst, dass Sie ein paar Wochen später Trainer von Lichtenberg 47 sein würden?

Lehmann: „Nein, ich hatte damals noch einen gültigen Spielervertrag. In der Sommerpause hatte sich dann unser damaliger Trainer Daniel Volbert mit dem Vorstand überworfen. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich übernehmen möchte.“

Hätten Sie gerne noch weitergespielt?

Lehmann: „Ehrlich gesagt, nein. Ich habe hier eine angenehme Atmosphäre vorgefunden und nur die Kabine gewechselt. Ich bin noch oft auf dem Platz und das ist geil – auch wenn ich nicht mehr hin und her laufe. Im Nachhinein war es cool, nicht zu wissen, dass das Pokalfinale 2013 das letzte Spiel meiner Karriere sein würde. So habe ich mir keine Waffe gemacht. Und für einen Amateurkicker wie mich war das mit den vielen Zuschauern ein schönes Abschiedsspiel.“

Inzwischen sind Sie im fünften Jahr Trainer von Lichtenberg 47. Bislang haben Sie hervorragende Platzierungen in der Oberliga eingefahren. Zweimal wurde das Team Dritter, einmal Vierter, einmal Fünfter. Zurzeit liegt es wieder auf Platz vier. Erst kürzlich haben Sie Ihren Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. Mit welchem Ziel?

Lehmann: „Ich habe verlängert, weil ich glaube, dass wir hier noch einiges optimieren können. Und dazu bin ich bereit und ich tue jeden Tag mehr als nötig.“

Muss denn nicht bald mit Lichtenberg der nächste Schritt gemacht und der Aufstieg in die Regionalliga angepeilt werden?

Lehmann: „Wir beschäftigen nur Feierabend-Kicker. Keiner bei uns spielt nur Fußball, deshalb können wir nicht formulieren, dass wir hoch wollen. Dass wir eine reine Fußballmannschaft haben, die zweimal täglich trainiert, wird es Stand heute in Lichtenberg nicht geben.“

Ist der Aufstieg trotzdem möglich?

Lehmann: „Der BFC Dynamo ist das beste Beispiel. Die hatten vier, fünf Jahre einen Riesenkader, bis es Volkan Uluc dann irgendwann mal geschafft hat, aufzusteigen. Aus der Oberliga rauszukommen, ist genauso schwer, wie aus der Regionalliga in die 3. Liga zu kommen. Wir können unseren Kader sukzessive so verbessern, dass wir es schaffen, mit unserer Art aufzusteigen. Unrealistisch ist das nicht, Optik Rathenow hat das in der Vergangenheit schon vorgemacht.“

Würde man den Aufstieg bei Lichtenberg 47 denn annehmen?

Lehmann: „Das würden wir machen.“

Wo würde dann gespielt werden?

Lehmann: „In der Arena Hans Zoschke. Natürlich müsste da noch einiges umgebaut werden. Aber ab dem Moment, wo es amtlich ist, dass du Regionalliga spielst, hast du gegenüber dem Bezirk auch Argumente, damit sich was ändert.“

Ist die laufende Oberliga-Saison schon zugunsten von Tabellenführer Optik Rathenow, der sieben Punkte Vorsprung auf Platz zwei hat, entschieden?

Lehmann: „Optik Rathenow ist noch nicht durch. Hertha 03 hat denen vor zwei Wochen den Nimbus der Unbesiegbarkeit genommen. Die müssen erstmal ihre restlichen Spiele gewinnen.“

Und wer greift an, falls Optik schwächelt?

Lehmann: „Tennis Borussia.“

Lichtenberg nicht?

Lehmann: „Doch, in dem Fall auch.“

Interview: Andreas Krühler

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