Mein Fußball-Woche

30.01.2015

Bunte Mischung auf riesigem Rasenplatz

Die Sportgemeinschaft Saarmund pflegt gute Kontakte zu ihren Nachbarvereinen – Dank Spielgemeinschaften alle Altersklassen besetzt

Ein Trainingsabend unter Flutlicht: 14 Mannschaften gehören der Sportgemeinschaft Saarmund an, darunter einige Spielgemeinschaften mit befreundeten Nachbarvereinen. Foto: Graeber

Blaue und grüne Trainingsanzüge, ein vereinzeltes Bayern-Trikot und Pullover in verschiedenen Farben – beim Training auf dem Platz der SG Saarmund geht es bunt zu. Das liegt aber nicht nur daran, dass die kleinen Jungs zwischen acht und zwölf, die gerade auf dem Rasen und dem etwas erhöht gelegenen Kunstrasen trainieren, verschiedene Lieblingsvereine haben.

Hier im kleinen 1500-Einwohner-Ortsteil von Nuthetal südlich von Potsdam hat das farbliche Durcheinander zumindest bis zu einem gewissen Punkt Programm. Denn für die SG Saarmund haben Spielvereinigungen mit den Nachbarvereinen einen enormen Wert. So finden sich auf den Plätzen blaue Jacken der SG, aber je nach Altersstufe auch grüne Trainingsanzüge der Kooperationspartner SV Wilhelmshorst 01 und SV 05 Rehbrücke.

Durch diese gute Zusammenarbeit ist es dem Verein möglich, Jugendmannschaften für jedes Alter anzubieten. Von den Minikickern (G-Jugend) bis zur U 19 ist bei der SG alles vorhanden – und darauf sind sie stolz. „Gerade in den ländlichen Gebieten sind Spielgemeinschaften sehr wichtig“, sagt Axel Richter, 2. Vorsitzender, Trainer der 1. E-Jugend und Spieler im Herrenbereich in Personalunion. Die Mitgliederentwicklung ist konstant und betrachtet man die Größe von Saarmund, sind die 150 Mitglieder der Fußballabteilung überaus beachtlich. „Es ist schon erstaunlich, dass wir drei Männermannschaften haben und dann auch noch die Ü-50-Spielgemeinschaft mit Turbine Potsdam“, so Richter, der die familiäre Atmosphäre im Verein sehr schätzt. Zwar gingen immer wieder Spieler zu anderen Klubs, um sich dort höherklassig zu beweisen, viele kommen aber später wieder zurück.

1. Männer auf Aufstiegskurs

Das spiegelt sich auch in der 1. Männermannschaft wider, die sich im Zuge der Spielklassenreform für die Kreisoberliga Havelland qualifiziert hat und seit Jahren immer oben mitspielt. Da es mit Fußball in Saarmund kein Geld zu verdienen gibt, besteht das Team zu großen Teilen aus Eigengewächsen. Viele wohnen mittlerweile zwar nicht mehr im Ort, schätzen aber den Zusammenhalt, der bei ein paar Bierchen nach dem Spiel und einem alljährlichen Trainingslager im Winter gepflegt wird. Sportlich läuft es in dieser Saison bisher hervorragend, die Mannschaft überwintert auf einem starken zweiten Rang. Vom möglichen Aufstieg will Richter aber noch nicht sprechen.

Ebenfalls für die Sportgemeinschaft spricht das idyllische Umfeld. Besonders vor dem Kabinentrakt, der 1996 in Eigenregie neugebaut wurde und in dem sich auch das Sportlerheim befindet, sieht es fast aus wie im Wald. Unter großen Linden, die im Sommer Schatten spenden, steht ein Dutzend Holztische und -bänke, auf dem Boden raschelt das rot-braun-gelbe Laub. Auf den Bänken sitzt eine junge Frau und schaut auf den riesigen Rasenplatz, auf dem ihr kleiner Sohn mit seinen Mannschaftskameraden einem Ball hinterherjagt.

Der große, gut gepflegte Rasen sieht auf den ersten Blick nicht nach einem Fußballplatz aus. Die Größe lässt sich schwer abschätzen, 200 mal 100 Meter sind es mindestens. So entsteht eher der Eindruck von einer Wiese in einem Park. Erst bei genauem Hinschauen erkennt man im schwachen Flutlicht auf der anderen Seite des Grüns einige Tore. „Wir können uns aussuchen, in welche Richtung wir spielen wollen und können auch auf zwei Feldern nebeneinander spielen, so groß ist der Rasen“, erklärt Fred Gericke, 1. Vorsitzender des Vereins.

Das bringt einige Vorteile mit sich: Zum einen ist genug Platz für die verschiedenen Mannschaften des Vereins, zum anderen müssen die Tore im Training nicht immer an den selben Stellen stehen, was den Untergrund enorm entlastet. Solch eine große Rasenfläche erfordert aber auch viel Arbeit. Allein das Rasenmähen nimmt Stunden in Anspruch. Manfred Kulbe, Ehrenmitglied und schon 78 Jahre alt, kümmert sich mit anderen Frührentnern um die Instandhaltung der Anlage. Wenn, wie vor Kurzem passiert, aber der Rasenmäher seinen Geist aufgibt, hat der Verein ein Problem. Denn ein Ersatz kostet mehrere Tausend Euro und lässt sich nicht aus der Portokasse zahlen. Seit Juni hilft ein benachbarter Betrieb aus und hat der SG ein Gerät geliehen, demnächst muss aber ein neues her.

„Wir brauchen unbedingt einen Rasenmäher und haben auch schon über einen Mähroboter nachgedacht“, sagt Gericke. Doch auch eine andere Überlegung treibt den Verein um. Um den Arbeitsaufwand zu verringern und den Spiel- und Trainingsbetrieb auch im Winter zu sichern, könnte ein Rasenfeld geopfert und zum Kunstrasenplatz umgebaut werden. Denn der bereits vorhandene Kunstrasen auf dem Gelände hat nur Kleinfeldmaße – und auch die erst seit einer Vergrößerung vor einigen Jahren, von der noch die auffällige Naht zwischen altem und neuem Untergrund zeugt. „Wir wollen hier nachhaltig arbeiten und da ist ein Kunstrasen auf jeden Fall eine Überlegung wert“, sagt der Vereinschef.

Neuer Kunstrasenplatz?

Die Auslastung der Anlage ist zwar an einem hohen Punkt angekommen, der kaum noch Luft für neue Mannschaften lässt, die Verantwortlichen sind aber sehr zufrieden mit dem Status quo. Denn abseits des Geländes ist auf dem Hof der örtlichen Schule auch ein Minispielfeld mit Kunstrasen und Banden vorhanden, das der DFB nach der WM 2006 finanziert hat. Zudem soll die Gemeinde den Neubau einer Halle im nur drei Kilometer entfernten Rehbrücke planen.

Die Bedingungen sind also gut kurz nach dem 60. Vereinsbestehen im Mai 2014, das mit einem Spiel gegen die Alten Herren des 1. FC Union gefeiert wurde. Ungewöhnlich für einen Verein auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist, dass er seinen Namen nie geändert hat. Seit 1954 heißt der Verein Sportgemeinschaft Saarmund und wurde nie zu einer Betriebssportgemeinschaft umfunktioniert. Nur die Farben auf dem ruhigen Sportplatz an der Bergstraße haben sich verändert. Wo früher nur blau und weiß zu sehen war, hat sich seit einigen Jahren auch grün etabliert.

Fred Gericke ist seit 15 Jahren Vorsitzender der SG Saarmund

Freut sich über die gute Nachbarschaft: Vereinschef Fred Gericke. Foto: Graeber

Seit rund 30 Jahren ist Fred Gericke Mitglied bei der SG Saarmund. Der 52-Jährige war Nachwuchstrainer, kümmerte sich um die zweite Mannschaft und ist seit der Jahrtausendwende 1. Vorsitzender. In seiner Zeit hat sich viel getan in dem Ortsteil von Nuthethal südlich von Potsdam. Im Interview spricht Gericke über die familiäre Atmosphäre im Verein, wichtige Umbauarbeiten und die Bedeutung von Spielgemeinschaften für kleine Vereine.

FuWo: Herr Gericke, Sie sind seit 30 Jahren im Verein, was waren die Meilensteine in dieser Zeit?

Fred Gericke: „Der wichtigste Schritt war mit Sicherheit der Neubau des Kabinengebäudes mit dem Sportlerheim 1996. Das alte Gebäude war so veraltet, dass eine Renovierung keinen Sinn mehr hatte. Damals war sogar der Fortbestand des Vereins gefährdet.“

Wie haben Sie diesen Neubau finanziert?

Gericke: „Das haben wir fast alles in Eigenarbeit gemacht, ein bisschen wie Union mit der Alten Försterei, nur in ganz klein. Da haben viele Mitglieder geholfen und auch von den ortsansässigen Firmen haben wir ganz viel Unterstützung in Form von Material und freiwilliger Arbeit bekommen. Nur mit der Sicherheit haben wir es wohl nicht so genau genommen, einen Bauhelm hatte jedenfalls keiner auf.“

15 Jahre als Vereinschef sind eine lange Zeit, wie lange wollen Sie denn noch weitermachen?

Gericke: „Eigentlich wollte ich gar nicht so lange bleiben. Die Nachfolger haben sich aber nicht gerade aufgedrängt und der Verein ist ja wie eine Familie. Irgendwann muss es den Generationenwechsel aber doch mal geben.“

Wie haben Sie die Entwicklung des Vereins in dieser Zeit erlebt?

Gericke: „Die Entwicklung ist positiv. Hier im Speckgürtel haben wir durch die Zuzügler schon einen ganz guten Zulauf, besonders in der Jugendabteilung. Dennoch wird es für einen kleinen Ort wie Saarmund immer wichtiger, ein gutes Verhältnis zu den Nachbarvereinen zu pflegen. Denn ohne die Spielgemeinschaften mit Wilhelmshorst und Rehbrücke könnten wir nicht für jeden Jahrgang eine Mannschaft anbieten. Da führt einfach kein Weg dran vorbei!“

Was hat sich sonst alles verändert?

Gericke: „Als erstes sticht natürlich unser riesiger Rasen ins Auge. Das sind zwei Großfelder nebeneinander. Da können wir uns überlegen, in welche Richtung wir spielen wollen. Aber auch im Umgang miteinander hat sich viel verändert. Ich erinnere mich noch, wie ich damals als Trainer der Zweiten am Sonntag vor dem Spiel von Haus zu Haus gefahren bin, um die Leute aus dem Bett zu klingeln. Das geht heute mit den ganzen Handys natürlich einfacher.“

Sportgemeinschaft Saarmund

Adresse: Alte Feldstraße 1a, 14558 Nuthetal
Homepage: www. sg-saarmund.de
Gegründet: 1. Mai 1954
Abteilungen: 4 (Fußball, Volleyball, Kegeln, Turnen)
Mitglieder: 270 (davon 150 Fußballer)
Mannschaften: 14 (2 Herren, 1 Senioren, 1 Ü 50 in Spielgemeinschaft mit FV Turbine Potsdam, 10 Jugend in Spielgemeinschaften mit SV Wilhelmshorst 01 bzw. SV 05 Rehbrücke)
Spielklasse 1. Herren: Kreisoberliga Havelland (vergleichbar mit Kreisliga A in Berlin)
Größte Erfolge: Kreismeister 1989, Qualifikation für die Kreisoberliga 2014
Sportanlage: Sportplatz Saarmund, Bergstraße

Von Julian Graeber

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