26.06.2017

Bogs übernimmt Zepter

Für einige DDR-Oberligamannschaften ist die spielfreie Zeit nach fünf Wochen Sommerpause vorbei. Der BFC Dynamo ist mit einem Testspiel gegen Zweitliga-Aufsteiger Traktor Groß-Lindow in die Vorbereitung auf die 30. Meisterschaft gestartet. Beim 7:2-Erfolg tragen sich Kapitän Frank Terletzki mit drei sowie Wolf-Rüdiger Netz und Ralf Sträßer mit jeweils zwei Treffern in die Torschützenliste ein.

Die Hohenschönhausener, die mit Platz 4 in der abgelaufenen Saison so gar nicht zufrieden sind, rüsten um. Harry Nippert, der Trainer, muss seinen Stuhl räumen. Mit Jürgen Bogs übernimmt der bisherige Coach des Nachwuchsteams. Damit alle wissen, was die Glocke geschlagen hat, nimmt Bogs erst gar kein Blatt vor den Mund und sagt: „Bei uns sind in der vorigen Saison einige Wünsche unerfüllt geblieben. Ein 4. Platz ist nicht unser Anspruch.“ Sein großes Plus: Er kennt die Talente aus dem Effeff und hat sich als harter Hund einen Namen gemacht. Zudem darf der neue Trainer auf zwei neue Angreifer bauen. Von Chemie Leipzig kommt der draufgängerische Hartmut Pelka und vom 1. FC Union der blutjunge Detlef Helms. 


Der Junge aus der Wuhlheide ist das derzeit größte Stürmertalent der DDR. Bei den Wuhlheidern geht er als jüngster Oberligaspieler in die Historie ein. Am 26. Februar 1977 wird er im Alter von 16 Jahren, vier Monaten und 16 Tagen bei Unions 0:2 in Karl-Marx-Stadt eingewechselt. Fünf Wochen später, beim 3:1 gegen Finnland, bestreitet er sein erstes Junioren-Länderspiel. Jetzt, da er spektakulär die Seiten wechselt, ist er im Auswahl-Team U 18 zwar gesetzt, noch immer aber keine 17. Weil dieser Wechsel ziemlich außergewöhnlich ist, müssen sich die Weinroten aus Hohenschönhausen was einfallen lassen. Im Gegenzug ziehen Rainer Wroblewski und Jürgen Jahn zu den Köpenickern.

Die Eisernen stehen kurz vor dem Trainingsauftakt, haben außer den beiden BFC-Spielern mit Henry Treppschuh, Frank Neumann und Peter Wirth (er ist ein Sohn des Altinternationalen Günter „Wibbel“ Wirth) aber nur Akteure aus dem eigenen Nachwuchs dazubekommen. Trainer Heinz Werner jedoch ist nicht bange vor dem zweiten Spieljahr im Oberhaus. „Wir werden uns auf jene Formation stützen, die sich in der Rückrunde der vorigen Saison bewährt und den Klassenerhalt gesichert hat“, sagt er. Und: „Zudem gehe ich davon aus, dass Spieler wie Karsten Heine, Ulrich Netz, Michael Paschek und Lutz Möckel zu einer weiteren Steigerung fähig sind.“
Während die etablierten Teams alle Konzentration auf die Vorbereitung des neuen Spieljahres legen, ist die Saison für die fünf Mannschaften, die an der Aufstiegsrunde zur Oberliga teilnehmen, gerade erst vorbei. Neben Chemie Böhlen steigt auch Wismut Gera auf. Im letzten Spiel reicht den Thüringern, bei denen der ehemalige Nationalspieler Harald Irmscher im Mittelfeld die Fäden zieht, gegen den Tabellenführer ein 1:1. Das genügt der Wismut-Elf, 1949 Gründungsmitglied der Oberliga, um nach zehn Jahren endlich wieder erstklassig zu sein.

Stahl Hennigsdorf, der Vertreter der „Berlin-Staffel“, spielt in dieser Fünferrunde eine ganz und gar untergeordnete Rolle. Die Männer aus der Wilhelm-Florin-Sportanlage haben in der Endabrechnung gegen die beiden Aufsteiger, aber auch gegen Chemie Leipzig und Vorwärts Stralsund nicht den Hauch einer Chance. Die Rand-Berliner, bei denen mit Wolfgang Strübing und Rainer Withulz zwei ehemalige Erstliga-Haudegen des FC Vorwärts den Takt angeben, werden nach nur zwei Punkteteilungen, einem 1:1 gegen Chemie Leipzig und einem 2:2 gegen Wismut Gera, abgeschlagen Tabellenletzter.

Von Robert Klein

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