01.12.2017

Betrug, Abstieg, Aufstieg

In dieser Woche vor 60 Jahren

Bewegte Zeiten prägen den DDR-Fußball in den 50er-Jahren. Mittendrin ist dabei der SC Dynamo Berlin, der im November 1957, weil seit zwei Spielzeiten die Saison im Rhythmus des Kalenderjahres ausgetragen wird, als Tabellenerster der I. DDR-Liga gemeinsam mit dem SC Empor Rostock in die Oberliga zurückkehrt, mit dem er ein Jahr zuvor auch abgestiegen ist.

Außerdem haben die beiden Vereine von der Spree und von der Ostseeküste gemeinsam, dass sie in der Saison 1954/55 zwangsumgesiedelt werden. Der SC Dynamo, der sich neun Jahre später in BFC Dynamo verändert, kommt aus Dresden, wo er 1953 Meister geworden ist, in die DDR-Hauptstadt, Empor beginnt das Spieljahr in Lauter im Erzgebirge und wird im Norden neu aus der Taufe gehoben und gleichfalls später in FC Hansa umbenannt.


Dass sich Dynamo eine Saison in der Zweitklassigkeit zeigen muss, ist neben miesen Ergebnissen letztlich der Unverfrorenheit der eigenen Funktionäre geschuldet. Vor dem letzten Spieltag, das Abstiegs-Endspiel gegen Motor Karl-Marx-Stadt steht bevor, kommen die Berliner darauf, sich für den Schluss­spurt den Dresdner Dieter Legler „auszuleihen“. Die Idee dahinter ist zwar frech, scheint aber mit den Statuten der Spielordnung vereinbar zu sein, glauben zumindest die Dynamos. Sie berufen sich auf einen Sonderpassus, der angeblich regelt, dass Akteure, die sich freiwillig zum Polizeidienst melden, ohne Wartefrist spielberechtigt sind.

Der Plan scheint aufzugehen, Dynamo gewinnt 2:1 (mit Legler, der aber ohne Tor bleibt) und meint sich gerettet. Allerdings nur für einen Moment. Die Sachsen riechen den Braten und legen Protest ein. Am Grünen Tisch wird die Partie schließlich für Motor als gewonnen und für Dynamo wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Akteurs als verloren gewertet – die Berliner müssen nach unten.

Nun also haben sie ihre Ehrenrunde in der I. DDR-Liga erfolgreich gedreht. Zum großen Jubel aber kommen sie dennoch nicht, denn ihr Aufstieg steht exakt an einem Spieltag fest, an dem sie nicht im Einsatz sind. Dabei ist am Aufstieg bereits drei Runden vor Saisonende nicht mehr zu rütteln. Mit 5:2 erteilt der Spitzenreiter dem Tabellenfünften Empor Wurzen in dessen Stadion eine Lektion, wobei neben Waldemar Mühlbächer, Werner Heine und Günter „Moppel“ Schröter auch Legler trifft, diesmal sogar gleich doppelt. Weil jedoch der SC Aufbau Magdeburg, der die beiden Aufsteiger allein noch hätte gefährden können, sein Spiel eine Woche später beim SC Wissenschaft Halle mit 1:3 verliert, sind die Dynamos ohne eigenes Zutun durch.

Wie das aber auch ist acht Jahre nach Gründung der DDR, dürfen sich die Berliner im Endspurt eine Auszeit nehmen. Während die Gegner um Punkte spielen, misst Dynamo mit Zenit Leningrad in einem Freundschafts-Kick die Kräfte. Und das durchaus erfolgreich. Weil der famose Schlussmann Heinz Klemm nur einmal hinter sich greifen muss, Schröter aber zwei Tore erzielt, behalten die Berliner im Walter-Ulbricht-Stadion mit 2:1 (1:1) die Oberhand.
An der Berechtigung des Wiederaufstiegs gibt es indes keinerlei Zweifel, weil Dynamo im Schlagerspiel beim Tabellendritten aus Magdeburg mit einem, wenn auch glücklichen, 2:1 beide Punkte entführt. Neben Heine trifft wiederum Schröter ins Schwarze. Am Ende, ein 1:2 gegen Rostock und ein 3:2 gegen Chemie Zeitz beschließen die Saison, kommt Dynamo zwei Punkte vor Mitaufsteiger SC Empor ins Ziel. Den Ausschlag gibt die einmalige Offensive, die mit 80 Toren brilliert. Die Rostocker bringen es lediglich auf 54 Treffer. So ist der SC Dynamo nach einer Spielzeit in der Zweitklassigkeit umgehend zurück in der Oberliga.

Von Robert Klein

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