07.02.2016

Aus der Sackgasse zum Leistungsträger

Aykut Tekyildirim hat bei Hilalspor endlich wieder Spaß

Hat nach mehreren Umwegen und langwierigen Verletzungen seine sportliche Heimat bei Hilalspor gefunden: Aykut Tekyildirim, hier noch im Trikot des Berliner AK. Foto: JouLux

Aykut Tekyildirim ist auf den ersten Blick nicht gerade der auffälligste Spieler. Für Herbstmeister Hilalspor hat der 22-Jährige in der Hinrunde drei Treffer erzielt, einmal stand er in der Bezirksliga in der FuWo-Elf des Tages. Und doch gibt es bei den Kreuzbergern kaum einen wichtigeren Spieler. „Er ist auf jeden Fall ein Leistungsträger in der Defensive“, sagt sein Trainer Isvan Demir. Tekyildirim ist vor der Abwehr gesetzt und lenkt das Spiel der jungen Hilalspor-Mannschaft mit viel Ruhe. Durch sein gutes Auge und sicheres Passspiel kann er gegnerische Angriffe schon vor der Entstehung vereiteln und die Bälle verteilen.

Obwohl es erst seine vierte Saison im Männerbereich ist, hat er mehr Erfahrung als die meisten Mitspieler, wenn auch nicht unbedingt in Pflichtspielen. Schon in der A-Jugend von Türkiyemspor überzeugte er in der Regionalliga unter Demir. „Beim Übergang zu den Männern hat mich Isvan, der die A-Jugend übernommen hat, zum Berliner AK mitgenommen“, erzählt Tekyildirim.


Wirklich glücklich wurde er im Poststadion aber nie. Aufgrund einer langwierigen Sehnenverletzung an der Wade, großer Konkurrenz und mangelndem Vertrauen kam er nur zu einem Einsatz in der ersten Mannschaft und spielte überwiegend bei der BAK-Reserve in der Bezirksliga. Im Januar 2014 wurde er schließlich an Optik Rathenow ausgeliehen. „Dort habe ich gar keine Chance bekommen“, sagt Tekyildirim. Nach anderthalb Jahren mit nur einem einzigen Kurzeinsatz in der Oberliga fühlte sich der mittlerweile 22-Jährige in einer Sackgasse. „Mir war klar, dass es so nicht weitergehen konnte“, erinnert sich Tekyildirim. Der Traum von der Profikarriere war in weite Ferne gerückt und so musste etwas Handfestes her. Tekyildirim begann eine Ausbildung bei einer Bank und verabschiedete sich aus Rathenow.

Auch wenn es Angebote aus der Oberliga und von mehreren Berlin-Ligisten gab, fiel die Entscheidung nicht schwer. „Nach der schwierigen Zeit beim BAK und bei Optik hatte ich ein Vertrauensproblem mit Trainern. Da aber der gute Kontakt zu Isvan nie abgebrochen war, fiel mir die Entscheidung leicht“, sagt Tekyildirim. Der Wechsel in die Bezirksliga war zwar rein sportlich eher ein Schritt zurück, ein halbes Jahr später zeigt sich der Sechser aber hochzufrieden. Bei Hilalspor traf er neben „Bombentrainer“ Demir (O-Ton Tekyildirim) auf viele Weggefährten von Türkiyem oder BAK. „Wir haben einen super Teamgeist und hohe Qualität“, sagt Tekyildirim. Zudem habe das Trainerteam Verständnis für seine berufliche Situation. Wenn es bei der Arbeit mal zu viel wird, reichen auch zwei Trainingseinheiten pro Woche.

Die Leistungen auf dem Platz stimmen in jedem Fall. Die fast neu zusammengewürfelte Truppe ist souverän Herbstmeister geworden und steuert klar auf Aufstiegskurs. Das Kurzpassspiel mit vielen technisch starken Spielern mache außerdem sehr viel Spaß. Die Chancen, dass die Kreuzberger auch über die Saison auf ihren Spielgestalter in der Zentrale setzen können, stehen nicht schlecht. Zwar denke er nur von Spiel zu Spiel und habe sich über die nächste Saison noch keine Gedanken gemacht, bis zum Ende seiner Ausbildung sei eine Rückkehr in den überregionalen Fußball rein zeitlich aber kaum denkbar. 

Solche Probleme würde ein Aufstieg in die Landesliga nicht verursachen. „Und wenn nach der Ausbildung ein Mega-Angebot kommt, warum nicht. Ich bin aber realistisch. Ich spiele in der Bezirksliga, da ist der Traum, mit dem Fußball Geld zu verdienen, weit entfernt“, sagt Tekyildirim ruhig und abgeklärt – fast wie auf dem Platz.

Von Julian Graeber

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