05.06.2017

„Am Ende bleibt der Trainer hier, denke ich“

Interview mit Elias Kachunga (Huddersfield Town)

Der Aufstieg von Huddersfield Town in die Premier League wird als ähnlich sensationell eingestuft wie die letztjährige Meisterschaft von Leicester City. Als Vater des Erfolgs gilt der deutsche Trainer David Wagner, der die als Abstiegskandidat gehandelten „Terriers“ mit dem für englische Verhältnisse geradezu minimalistischen Etat von 16 Millionen Euro nach 45 Jahren Abstinenz zurück in Englands höchste Spielklasse führte. Außergewöhnlich ist zudem, dass das Team aus der ehemaligen Textilindustrie-Metropole in West Yorkshire gleich fünf Legionäre aus Deutschland (Christopher Schindler, Michael Hefele, Chris Löwe, den Ex-Unioner Collin Quaner sowie den Ex-Herthaner Elias Kachunga) aufweist. Die FuWo sprach mit Kachunga, der mit zwölf Toren treffsicherster Schütze war und somit maßgeblich zum Triumph beigetragen hat. 

Fußball-Woche: Herr Kachunga, wie muss man sich eine Aufstiegsfeier in Huddersfield vorstellen?


Elias Kachunga: „Die Mannschaft wurde im offenen Bus durch die Stadt gefahren, außerdem hat man extra für uns eine Bühne aufgebaut. Alles war voller Fans, wir haben uns richtig feiern lassen und das alles sehr genossen.“ 

Haben Sie in Ihrer Karriere schon mal etwas Vergleichbares erlebt?

Kachunga: „In Paderborn war es ähnlich, das ist ja auch ein sehr kleiner Klub, dem ein Aufstieg in die erste Liga nicht unbedingt zugetraut worden war. Wobei der Aufstieg mit Huddersfield nochmal etwas ganz anderes ist, das ist schon etwas Besonderes.“ 

Das entscheidende Relegationsspiel fand in Wembley vor fast 100.000 Zuschauern statt. Beschreiben Sie doch mal die Atmosphäre.

Kachunga: „Es ist nicht nur das Spiel in Wembley, schon die Tage davor, das ganze Drumherum, das war einfach einmalig. Als nach dem letzten Elfmeter klar war, dass wir es geschafft haben, ist eine Riesenlast von uns abgefallen, das war die pure Freude!“ 

Den entscheidenden Elfmeter hat ihr Mannschaftskollege Christopher Schindler verwandelt. Sie selbst waren zu dem Zeitpunkt schon ausgewechselt ...

Kachunga: „Ich war froh, dass ich überhaupt eine Halbzeit spielen konnte, da ich mich im Halbfinalspiel gegen Sheffield Wednesday leicht verletzt hatte. Ich habe versucht, alles reinzuhauen, was ich hatte, um der Mannschaft zu helfen. Das ganze Team war voller Selbstvertrauen, wir waren alle sicher, dass wir das Elfmeterschießen gewinnen werden.“ 

Trainer David Wagner kennt man in Deutschland vor allem als Kumpel von Jürgen Klopp. Wie erleben Sie ihn?

Kachunga: „Ich habe ihm unheimlich viel zu verdanken, er ist einfach ein Supertyp. Er hat mich in Ingolstadt aus einer schwierigen Phase herausgeholt und mir gleich das volle Vertrauen geschenkt. Ich durfte sofort spielen, bin Stammspieler geworden. Ich glaube, man muss David Wagner nicht mehr mit Jürgen Klopp vergleichen, er hat jetzt seinen Weg gemacht und bewiesen, dass er was drauf hat.“ 

Wissen Sie, ob er Trainer in Huddersfield bleibt? Angeblich gibt es bereits Interesse aus der Bundesliga ...

Kachunga: „Das sehe ich ganz locker: Wenn man in der Premier League Trainer sein kann, dann ist das aus meiner Sicht das Größte. Es wird zwar immer viel geschrieben, aber am Ende bleibt der Trainer hier, denke ich.“

Seine Spielphilosophie wird in England auch als „Wagner-Revolution“ bezeichnet. Was hat es damit auf sich?

Kachunga: „Wir haben in der letzten Saison meistens sehr hoch gepresst, dazu das bekannte Umschaltspiel, also nach Ballgewinn den direkten Weg zum Tor gesucht. Das ist die Taktik, mit der Wagner meistens spielen lässt.“

Fünf Deutsche in einem englischen Team, das dürfte auch eher ungewöhnlich sein.

Kachunga: „Die Engländer haben uns jedenfalls super aufgenommen, wir Deutschen haben auch zugesehen, uns unter die Jungs zu mischen, damit wir nicht nur deutsch sprechen. Wir sind ein bunter Haufen, jeder kommt mit jedem gut aus. Unser überragender Zusammenhalt war für mich auch der Hauptgrund, dass wir es in die Premier League geschafft haben.“ 

Wie realistisch ist der Klassenerhalt?

Kachunga: „Darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Wir müssen uns erstmal erholen, die Saison war ex­trem lang. Wenn wir aus dem Urlaub zurück sind, geht es weiter und dann werden wir mal sehen, wie wir in der Premier League performen werden.“ 

Ihr Ex-Klub Ingolstadt muss in die 2. Liga. Gab es Glückwünsche für Sie von den Ex-Kollegen?

Kachunga: „Von einigen, mit denen ich noch Kontakt hatte, vom Verein habe ich nichts gehört. Ich habe jetzt Vertrag in Huddersfield, über Ingolstadt mache ich mir keine Gedanken mehr.“ 

Mathew Leckie wechselt von Ingolstadt zu Hertha – würden Sie ihm gratulieren?

Kachunga: „Auf jeden Fall, Hertha ist ein super Verein, die Stadt ist klasse, ich habe nur gute Erinnerungen. Für ­Mathew ist das auf jeden Fall ein Schritt nach vorne.“ 

Durch den EU-Austritt Großbritanniens ergibt sich auch politisch eine neue Situation. Spielt der Brexit in Spielerkreisen eine Rolle?

Kachunga: „Natürlich beobachten wir die Entwicklung, allerdings glaube ich nicht, dass sich für uns Fußballer so viel ändern wird. Warten wir es mal ab.“

Interview: Alex Heinen

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