16.12.2017

Als Walter den Hunni zückte

In dieser Woche vor 25 Jahren

So richtig wollte die Sache zunächst nicht ins Rollen kommen. Über fünf Minuten lief das Auftaktspiel des ersten Verbandsliga-Hallenturniers zwischen dem Frohnauer SC und dem SC Gatow bereits. Stand: 0:0. Dann traf Matthias Bollmann für Gatow. Damit hat er es nicht ganz in eine Reihe mit Lucien Laurent (erstes WM-Tor) und Timo Konietzka (erstes Bundesliga-Tor) geschafft. Aber auch das erste Tor beim Hallenturnier der Verbandsliga (inzwischen Berlin-Liga) kann – das liegt in der Natur der Sache – nur einer machen. Als Belohnung erhielt Bollmann eine Prämie von 100 D-Mark. 

Im Sommer 1992 hatte die Verbandsliga draußen ihren Spielbetrieb aufgenommen, am 17. Dezember begann das Hallenturnier mit zwei von vier Vorrundengruppen. 335 zahlende Zuschauer am ersten Tag, 305 am zweiten, 353 am Endrundentag. Macht zusammen 993. Keine Zahl, die die Veranstalter in Jubelstürme ausbrechen ließ. Kurz vor Weihnachten, am langen Donnerstag und dem verkaufsoffenen Sonnabend, hatten wohl etliche potenzielle Freunde des Hallenkicks andere Dinge zu tun. Insgesamt aber bescheinigte die FuWo „hohes spielerisches Niveau“ und bilanzierte: „Das erste Hallenturnier war ein Erfolg, und die Organisatoren haben zwischen dem Anpfiff und Abpfiff längst registriert, daß es nichts gibt, was man nicht besser machen kann.“ 


Für die, die sich in der Sporthalle Charlottenburg einfanden, hatten die Veranstalter einiges zu bieten. So verkürzten die Hans-Rosenthal-Elf und die Sportgruppe des Abgeordnetenhauses am Donnerstag die Pause zwischen den beiden Vorrunden mit einem Einlage­spiel. Am Sonnabend taten dies die weibliche Berliner U 19-Auswahl und ein Team erfahrener Spielerinnen, unter anderem von Bundesligist Tennis Borussia. Zudem gab es schon damals eine Verlosung: Pro Turniertag wurde je eine Eintrittskarte für das DFB-Pokalfinale 1993 und je zwei für das Halbfinale zwischen Herthas Amateuren und dem Chemnitzer FC unter die Zuschauer gebracht. Einer der Sponsoren des Turniers war übrigens die Olympia 2000 GmbH. 

Von den 16 Teilnehmern der ersten Auflage spielen aktuell nur zwei in der Berlin-Liga (Tasmania, seinerzeit noch mit dem Zusatz 73, und BFC Preussen). SC Staaken und Lichtenberg 47 sind in der Oberliga, der Rest ist weiter unten (neben Gatow und Frohnau auch FV Wannsee, SSC Teutonia, Köpenicker SC, SW Spandau, 1. FC Wilmersdorf und Wacker Lankwitz) oder unter dem Namen nicht mehr existent (Wacker 04, Eumako Weißensee, Rapide Wedding und BSV Spindlersfeld). 

1992 flog Herbstmeister Frohnau mit drei Niederlagen in der Gruppe chancenlos raus. Trainer André Landt nahm es locker und hatte eine nette Erklärung: „Wer will es meinen Jungs verübeln, daß sie den Herbstmeistertitel überschwenglich feierten und daher nicht so recht bei der Sache waren. Fußball soll schließlich auch freudvolle Stunden bringen und die gönnte sich die Mannschaft nach der ersten Halbserie, die so erfolgreich für uns verlief, wie wir es nie zu hoffen wagten.“
Ohne Verlustpunkt in die Endrunde schaffte es Staaken, gewann dort die ersten beiden Spiele und leistete sich dann ein 0:3 gegen den KSC. Zu diesem Zeitpunkt standen die Staakener bereits als Finalteilnehmer fest (ein Halbfinale fand nicht statt). Dort traf man auf Wannsee und gewann 7:0. Die FuWo war besonders vom 40 Jahre alten Jürgen Schulz begeistert, der einst über 300 Profi-Einsätze für Tennis Borussia und den SC Charlottenburg absolvierte: „Das runde Leder läßt den Routinier nicht los.“

Auch Matthias Bollmann, der Mann mit dem ersten Tor, zog in die Endrunde ein. Dort belegte Gatow mit 1:5 Punkten nur den dritten Platz in der Gruppe. Außer Bollmann erhielten noch zwei andere Spieler 100 DM als Prämie: Staakens Detlef Deutschmann, der das 165. und somit letzte Tor des Turniers erzielte und René Grätz von Wacker Lankwitz. Dessen Hammer direkt nach dem Anstoß von der Mittellinie in den Kasten des Köpenicker SC begeisterte Walter Zain, Chef der Verbandsliga-AG, so sehr, dass er spontan einen Hunni spendierte.

Von Sebastian Schlichting

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