14.01.2018

„Ich habe überhaupt kein Problem mit TeBe“

Interview mit Karim Benyamina (Tennis Borussia)

Erster Einsatz im TeBe-Trikot: Karim Benyamina (rechts) gab beim Regio Cup 2018 seinen Einstand für die Veilchen. Foto: JouLux

Transfers unterhalb des Profilagers produzieren eher selten Schlagzeilen. Karim Benyaminas Wechsel von Viktoria 89 zum Lokalrivalen Tennis Borussia sorgte dagegen für ein vergleichsweise großes Echo, was einmal mehr zeigt, über welch enormes Renommee der mittlerweile 36-jährige Stürmer noch immer verfügt. In mittlerweile mehr als 500 Spielen (Meisterschaft und Pokal, darunter 78 Partien in der 2. Bundesliga sowie zwei Länderspiele für Algerien) erzielte der in Dresden geborene Berliner mit algerischen Wurzeln 176 Tore (davon 16 in der 2. Liga). Beim 1. FC Union, wo der technisch versierte Rechtsfuß die längste und erfolgreichste Phase seiner Karriere durchlebte, ist „Big Ben“ mit 86 Toren noch immer alleiniger Rekordschütze. Bei TeBe, der mittlerweile zehnten Station seiner Laufbahn (neben Union u. a. Babelsberg 03, FSV Frankfurt, Karlsruher SC, MC El Fulma/Algerien, Berliner AK) kann Benyamina laut Vertrag zumindest bis Sommer 2019 seiner Profession nachgehen.

Fußball-Woche: Herr Benyamina, Ihren Wechsel könnte man als Zeichen in doppelter Hinsicht verstehen: Viktoria 89 verabschiedet sich von ehrgeizigen Zielen und Tennis Borussia will nochmal angreifen. Stimmen Sie zu?

Karim Benyamina: „Das kann man so sehen. Wir wollten mit Viktoria den Pokal holen und um den Aufstieg mitspielen, aber die Ziele waren zu hoch gesteckt. Das fing mit der Vorbereitung an: Trainer und Spieler wurden spät verpflichtet, bestehende Spieler-Verträge erst spät verlängert. Dazu kamen dann viele Verletzte, wir konnten einfach nicht mithalten. Als uns Spielern mitgeteilt wurde, dass wir ablösefrei wechseln können, kam TeBe auf mich zu. Dort hat man was vor, will aufsteigen, im Pokal ist man auch noch dabei.“

Ab wann standen Sie in Kontakt mit TeBe?


Benyamina: „Seit gut einem Monat, wobei es schon im letzten Sommer Gespräche gegeben hat. Weil Viktoria mit der Vertragsverlängerung gezögert hat, wusste ich nicht, wo ich stehe. TeBe wollte ursprünglich Ümit Ergirdi und mich haben. Der Präsident von Viktoria (Christoph Schulte-Kaubrügger; die Red.) hat uns dann doch noch zum Bleiben überredet. Von daher war es doppelt enttäuschend, jetzt so vor den Kopf gestoßen zu werden. Wenn Spieler ablösefrei wechseln können, wenn der Präsident nicht zu erreichen ist, dann sind das Zeichen, die einen nachdenklich machen.“

Hatten Sie schon Gelegenheit, mit Trainer Thomas Brdaric zu sprechen?

Benyamina: „Wir haben uns getroffen und hatten gleich ein gutes Gespräch. Ich habe das Gefühl, wir sprechen beim Thema Fußball die gleiche Sprache. Brdaric ist sehr ehrgeizig, auch seine Philosophie hat mir gut gefallen.“

Der Trainer wünscht sich vor allem mehr Effizienz, im Klartext: mehr Tore. Haben Sie sich eine Zielmarke gesetzt?

Benyamina: „Das mache ich nie, auch nicht zuletzt bei Viktoria – und unter Thomas Herbst bin ich in der Hinrunde auf neun Tore und sechs Vorlagen gekommen. Ich gehe da immer spontan ran, wichtig ist mir, dass die Mannschaft gewinnt und die Ziele erreicht werden. Wenn ich dann noch Tore mache, freue ich mich umso mehr.“

Wie muss man sich den Unterschied zwischen vierter und fünfter Liga, also Regionalliga und Oberliga, vorstellen?

Benyamina: „Ich bin gespannt, erwarte aber keinen großen Unterschied. Unter Brdaric wird genauso intensiv trainiert wie in der zweiten oder dritten Liga. Der wesentliche Unterschied sind die Gegner, es gibt nicht mehr so weite Auswärtsfahrten. Ich habe zwar lange nicht mehr Oberliga gespielt, weiß aber, dass die Liga nicht zu unterschätzen ist.“

Ihr Vertrag gilt zunächst bis Sommer 2019, dann wären Sie fast 38 Jahre alt. Wie lange trauen Sie sich Leistungssport auf diesem Niveau noch zu?


Benyamina: „So lange mich der Trainer aufgrund meiner Leistung aufstellt, bin ich dabei. Was ich niemals möchte, ist, dass ich wegen meines Namens oder meiner Vergangenheit spielen darf. Ich will nichts geschenkt bekommen.“

Auf welche Annehmlichkeiten verzichten Sie, um fit zu bleiben?

Benyamina: „Ganz ehrlich: Ich habe in meinem Leben noch nie auf irgendetwas verzichtet. Bei mir steht an erster Stelle der Wohlfühlfaktor. Nur Salat oder Nudeln essen, das gab und gibt es nicht. Trotzdem hat es immer gut funktioniert.“

Vergangenen Sonnabend sind Sie beim Hallenturnier in der Max-Schmeling-Halle noch einmal für den 1. FC Union aufgelaufen. Einmal Unioner, immer Unioner?

Benyamina: „Ja, dazu gehört auch das Abschiedsspiel, welches wir zuletzt hatten, ich fühle mich immer noch zugehörig (Ende August 2017 wurden Karim Ben­yamina und Torsten Mattuschka mit einem Abschiedsspiel geehrt; die Red.). Das wird auch in Zukunft immer so sein. Union hat ein Stück weit mein Leben geprägt, das war eine schöne Zeit, die ich nie vergessen werde.“

Sonntag fand am gleichen Ort der Regio Cup statt, bei dem Sie für Tennis Borussia am Start waren. Komisches Gefühl?

Benyamina: „Das hatte ich so zwar noch nicht, aber warum auch nicht? Union ist meine Vergangenheit, TeBe die Zukunft.“

Die TeBe-Fans werden Sie aufgrund Ihrer sportlichen Vergangenheit nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen. Wie gehen Sie damit um?

Benyamina: „Davon habe ich auch gehört, wobei ich das nicht nachvollziehen kann. Ich bin ja damals nicht zu Union gegangen, weil ich etwas gegen TeBe habe. Ganz im Gegenteil, ich fand TeBe immer gut und habe den Weg des Vereins genau verfolgt. Das war schon in meiner Jugend ein Verein, zu dem man aufgeblickt hat. Ich habe überhaupt kein Problem mit TeBe.“

Wenn Sie Tennis Borussia zum Aufstieg schießen, könnten Sie sich auch im Mommsenstadion unsterblich machen.

Benyamina: „Ich werde jedenfalls mein Bestes geben.“

Interview: Alex Heinen

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