10.10.2017

„Druck? Die Jungs brauchen das“

Interview der Woche mit Nicolas Wolff

Tausendsassa beim SC Charlottenburg: Nicolas Wolff, Trainer, Abteilungsvorsitzender und Jugendleiter. Foto: JouLux

Sechs Spiele, sechs Siege: Der SC Charlottenburg hat in der Landesliga einen Traumstart in die neue Saison hingelegt. In der FuWo spricht Nicolas Wolff (51), Trainer und 1. Vorsitzender der Fußball-Abteilung in Personalunion beim SCC, über das Aufstiegsziel, Stellschrauben und Spaß an Drucksituationen.

Fußball-Woche: Hand aufs Herz, Herr Wolff: Haben Sie mit solch einem furiosen Start gerechnet, zumal sich der Kader im Sommer nicht großartig geändert hat und keine „großen“ Namen geholt wurden?

Nicolas Wolff: „Sagen wir mal, ich habe es nie ausgeschlossen. Wir treten in jedem Spiel an, um zu gewinnen. Bisher klappt das ganz gut. ‚Große Namen?‘ Wir haben im Team viele Spieler, die in höheren Klassen unterwegs und dort auch erfolgreich waren. Das ist namhaft genug.“

Machen Sie durch die Erfolge der 1. Männer eine Euphorie in Verein und Umfeld aus?

Wolff: „Es freuen sich alle über einen guten Start. Mehr aber auch nicht. Wir werden deshalb nicht gleich abheben.“

Saisonübergreifend sind es sogar 13 Siege am Stück. Was macht den SCC so stark?

Wolff: „Das ist Statistik. Für uns zählt immer das nächste Spiel. Wir wollen gemeinsam ein Ziel erreichen und jeder zieht mit.“

Die Siege in der bisherigen Saison gelangen nicht nur gegen Teams aus den unteren oder mittleren Gefilden, sondern auch gegen hoch eingeschätzte Teams: 2:0 in Biesdorf, 1:0 gegen Spandau 06, 2:0 in Gatow. Ihr Team findet stets die passende Einstellung, passt sich immer den Gegebenheiten an, ist wie ein Chamäleon. Passt die Beschreibung?

Wolff: „Es gibt bei uns immer einen Matchplan, den es gilt, in die Tat umzusetzen. Dennoch haben wir ja nicht alle Spiele jederzeit dominiert. Es gehört auch immer ein Quäntchen Glück dazu.“

Ihr Team hat erst zwei Gegentore hinnehmen müssen. Verlass war bisher auch auf den Sturm, insbesondere auf den sechsfachen Torschützen Patrick Maykowski. Wie haben Sie diese Balance hinbekommen?

Wolff: „Wir haben mehr Geduld und lassen auch mal die Anderen machen. So bleiben wir kompakter und der Gegner hat es schwer. Patrick Maykowski war fast die komplette Rückrunde verletzt. Jetzt ist er wieder Teil des Teams und kann uns helfen.“

Das Team ist ausgeglichen besetzt, auch in der Breite gut aufgestellt. Welche Spieler sind dennoch unverzichtbar?


Wolff:
„Da will ich keine Namen nennen. Man sieht ja, wer Woche für Woche in der Startelf steht. Wir brauchen jeden Mann.“

Vor der Saison haben Sie kein Blatt vor den Mund genommen und klar gesagt, dass für den SCC nur der Aufstieg zähle. Hatten Sie keine Sorge, dass Sie Ihre Mannschaft zu sehr unter Druck setzen?

Wolff: „Die Jungs brauchen das. Wenn ich sage, wir wollen jedes Spiel gewinnen, dann gilt das für uns alle und die Qualität des Kaders kann Druck vertragen. So macht es doch erst richtig Spaß.“

Und wenn Ihnen der Spruch nach Punktverlusten unter die Nase gerieben wird?

Wolff: „Damit können wir umgehen. Wer aufsteigen will und sagt, ein Platz unter den ersten fünf wird angestrebt, ist doch feige.“

Nach dem knapp verpassten Aufstieg in der Vorsaison sagten Sie, dass Sie an allen Schrauben ein bisschen gedreht haben. Welche waren die größten Schrauben?

Wolff: „Wir mussten erkennen, dass wir manchmal zu viel wollten und sind dafür bestraft worden. Diesmal werden auch wir ein bisschen mehr Ergebnisfußball spielen. Wir wollen weniger Tore kassieren. Läuft bisher ganz gut.“

Wer sind aus ihrer Sicht die größten Konkurrenten um den Aufstieg?


Wolff: „Gatow hat mit uns den breitesten Kader. Sie sind mit dabei. Andere sind zu sehr abhängig von der Form einzelner Spieler. Da lässt man über die Strecke zu viele Punkte liegen.“

Der nächste Gegner heißt BSC Rehberge – alles andere als der siebte Sieg in Serie wäre eine große Überraschung. Wie verhindern Sie, dass Ihr Team den Gegner auf die leichte Schulter nimmt?


Wolff:
„Wir versuchen, konzentriert unseren Weg zu gehen. Gegen Rehberge müssen wir auch erst einmal unsere Leistung abrufen. Sie werden uns nichts schenken.“

Sie sind beruflich stark eingespannt und nebenbei beim SCC 1. Vorsitzender, Jugendleiter sowie Trainer der 1. Männer und der U 8. Zudem kicken Sie auch noch – wenn Not am Mann ist – in der Ü 40 und Ü 50. Hat ihre Woche eigentlich acht Tage, oder wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?


Wolff: „Da muss ich auch an einigen Schrauben drehen. Das geht natürlich nicht auf Dauer.“

Woher rührt eigentlich Ihr großes Engagement für den SCC?

Wolff: „Ich bin seit 1997 im Verein. Als Spieler haben andere den Weg für mich bzw. uns geebnet. Man muss seiner Sportart doch auch was zurückgeben.“

Wie sehr schmerzt es, dass ein Traditionsverein wie der SCC in dieser Spielzeit keine A- und B-Jugend gemeldet hat?

Wolff: „Sehr. Es war aber zu erwarten. Wir mussten in der Abteilung Änderungen vornehmen. Das ist leider zunächst der Preis dafür. Schwerpunkt war dann, die Jugend bis zur U 15 wieder hoch zu bekommen. Das ist uns gelungen.“

Wie lauten die mittelfristigen Ziele des SCC, der ja in den 1990er Jahren Stammgast in der Regional- und Oberliga war?

Wolff: „Wir wollen zurück in die Berlin-Liga und dort dauerhaft eine gute Rolle spielen. Nicht mehr und nicht weniger.“

Interview: Lajos Metzel

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