Mein Fußball-Woche

28.04.2013

„Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in Spandau

Interview: Bernd Karkossa

Die Arbeitsgemeinschaft Spandauer Fußballvereine 1957 hat einen neuen 1. Vorsitzenden. Elmar Koch trat auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag die Nachfolge von Stefan Hähnel an. Der 65-Jährige ist bereits seit dem Herbst 2007 als Teamchef für die Spandauer Auswahl verantwortlich. Koch wuchs in Spandau auf, spielte für den SC Alemannia 06 Haselhorst, als der Klub im Spandauer Fußball noch eine große Nummer war. Später war er Trainer bei den Spandauer Kickers und Alemannia 06. Von 2001 bis 2006 war Koch Präsident des Spandauer BC, der unter seiner Führung mit dem 1. FC Spandau zum FC Spandau 06 fusionierte. Koch ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Sohn. Vielschichtig war sein Berufsleben: Lehrer für Fremdsprachen, Sportlehrer am Kant-Gymnasium, Reiseleiter, Mitarbeiter im Referat Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Bundestages, geschäftsführender Gesellschafter der Kongresshallen Gastronomie, ab 1996 Leiter einer Versicherungsagentur, seit kurzem im Ruhestand.

FuWo: Herr Koch, zum Job als Trainer der Spandauer Auswahl kommt jetzt auch noch der des AG-Vorsitzenden. Haben Sie zu viel Zeit?

Elmar Koch: „Kann man so sagen, ich bin ja jetzt Rentner. Meine Frau Renate hat mir zugeraten, da habe ich volle Rückendeckung. Und ich finde es ja auch gut, dass es in Spandau eine solche Arbeitsgemeinschaft gibt.“

Die ist fast einzigartig in Berlin, oder?

Koch: „Ja, das war eine tolle Idee von Günter Hoppe aus der Sportredaktion des Spandauer Volksblatts, der seinerzeit auch zum 1. Vorsitzenden der AG gewählt wurde und den Volksblatt-Pokal initiiert hat. Er hat ein Gremium ins Leben gerufen, das als Einheit aufgetreten ist. Die AG hatte so mehr Gewicht gegenüber dem Bezirksamt oder auch dem BFV, als wenn jeder Verein nur allein vor sich hin wurschtelt.“

Wie beurteilen Sie den Zustand des Spandauer Fußballs im Jahr 2013?

Koch: „Das ist im Moment eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Der SC Staaken macht gute Arbeit, der SC Gatow schlägt sich gut. SpaKi und Blau-Weiß drängen nach oben. Auf der anderen Seite ist der SSV, bei dem ich dachte, dass es aufwärts geht und es jetzt wieder schlechter aussieht. Schade. Beim FC Spandau 06 hoffe ich, dass Gerd Achterberg etwas zum Positiven bewegen kann.“

Als Sie 2007 den Job des Auswahl-Teammanagers von Dieter Dolgner übernahmen, haben Sie gesagt, Sie könnten das Rad nicht neu erfinden. Wie sieht es hinsichtlich Ihrer neuen Aufgabe als AG-Chef aus?

Koch: „Ich sehe das ein wenig als Mediatoren-Tätigkeit. Ich appelliere an Solidarität und Loyalität unter den Vereinen. Die Abwerbung von ganzen Jugendmannschaften, die es in Spandau gegeben hat, das ist vorbei – auch weil SpaKi-Chef und BFV-Vorstandsmitglied Jürgen Pufahl für Regularien gesorgt hat. Ich will den FC Besiktas mit ins Boot holen, der sich von allen Sitzungen und dem Bürgermeister-Pokal seit Jahren fernhält. Und weil die Spandauer AG etwas Besonderes ist, will ich sie mit Leben erfüllen.“

Was wird aus dem Bürgermeister-Pokal? Organisator Matthias Zimmermann wirkte zuletzt „amtsmüde“.

Koch: „Aber er macht weiter, und das ist auch gut so. Geändert hat sich, dass die Vorrundenspiele nun in Haselhorst ausgetragen werden, weil ein Anwohner an der Spandauer Straße in Staaken erfolgreich gegen die Lärmbelästigung geklagt hat. Und das Endspiel findet wohl bei den Spandauer Kickers statt. Mir persönlich wäre der Ziegelhof schon wegen der Atmosphäre lieber.“

Und die Auswahl, wann spielt die mal wieder?

Koch: „Das ist schwierig. Seit ich die Auswahl übernommen habe, haben wir nur vier Partien absolviert, zwei gegen Nauen, eine gegen die Berlin-Liga-Auswahl, eine gegen SC Gatow. Dieter Dolgner war clever, er hat nach dem Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 2002 ein Benefizspiel ins Leben gerufen und die Einnahmen nach Erfurt überwiesen. Vielleicht machen wir dieses Jahr noch was, das Spandauer Rathaus wird ja 100 Jahre alt.“

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