Mein Fußball-Woche

18.03.2013

„Alemannia-Wacker hat es nie gegeben“

Ein bekannter Name verschwindet demnächst endgültig von der Berliner Fußball-Bühne: In die Saison 2013/14 wird der BFC Alemannia 90 ohne den Zusatz „Wacker“ gehen. Seit 1994, seit sich der SC Wacker 04 aufgelöst und sich die ehemaligen Wacker-Mitglieder der Fußball-Abteilung des BFC Alemannia 1890 angeschlossen hatten, gab es diesen Namenszusatz. Erst gingen die Fußballer als SG Wacker/Alemannia, ab 1996 als Alemannia 90-Wacker an den Start. Damit ist im Sommer Schluss. Heinz Schultze gehört dem BFC Alemannia bereits seit 1982 an. Lange Jahre war er Vorsitzender der Kegelabteilung, seit 2008 ist er Präsident des Gesamtvereins. Die Fußball-Woche sprach mit dem 72-Jährigen über die Hintergründe.

FuWo: Herr Schultze, wie kam es zu der Entscheidung, in Zukunft auf den Zusatz Wacker zu verzichten?

Heinz Schultze: „Die Entscheidung ist ja nicht neu, sondern wurde schon vor mehr als einem Jahr auf der Gesamtausschusssitzung, wie die Mitgliederversammlung bei uns heißt, getroffen. Im Sommer wird der Beschluss nun endlich umgesetzt, der eigentlich schon viel älter ist.“

Das müssen Sie uns erklären.

Schultze: „Das war damals ein Kompromiss, ein Zugeständnis an die ehemaligen Mitglieder des SC Wacker 04 – angedacht für vier Jahre. Der Verein hatte sich 1994 aufgelöst, brachte aber den Rasenplatz am Wackerweg und die höhere Spielklasse, die Verbandsliga, mit ein. Die Fußballer spielten dann zwei Jahre als SG Wacker/Alemannia und danach als Alemannia 90-Wacker. Das sollte bis 1998 so gehen, danach der Zusatz Wacker gestrichen werden. Die Wackeraner im Verein wie Klaus Basikow und Fritz Herz aber haben sich dagegen gewehrt – und die damaligen Vorstände haben den von den Mitgliedern gefassten Beschluss nie umgesetzt. Das holen wir jetzt nach – mit vielen Jahren Verspätung.“

Immerhin hat Wacker in den 1970er Jahren sogar der 2. Bundesliga angehört. Hat es Reaktionen der alten Wackeraner gegeben?

Schultze: „Klar, und ich kann sie auch verstehen. Aber der Schritt ist überfällig. Nur noch eine Handvoll unserer insgesamt 630 Mitglieder im BFC Alemannia 1890, der neben Fußball auch noch Tennis, Kegeln und Dart anbietet, hat seine Wurzeln bei Wacker 04. Den Verein Alemannia-Wacker hat es nie gegeben, das war immer der BFC Alemannia 1890, übrigens taucht auch im Vereinsregister der Zusatz Wacker nicht auf. Es gab ja auch keine Fusion, sondern Wacker hat sich aufgelöst. Nicht wenige der Alemannen hat es gewurmt, dass unsere Fußballer in der Presse eher als Wackeraner rüberkamen, mich auch. Die Fußball-Abteilung hat dem auch Vorschub geleistet, in Briefköpfen und sogar im Stempel war der Zusatz Wacker immer dabei.“

Alemannia-Wacker war lange Jahre eine feste Größe in der Verbandsliga. Will Alemannia da wieder hin?

Schultze: „Wir waren so etwas wie der HSV der Verbandsliga, waren 16 Jahre in Folge dabei. Aber heutzutage ist es ja leider so, dass die höchste Berliner Spielklasse Geld kostet. Und Geld, das wir nicht haben, können wir nicht ausgeben. Das trägt auch Volker Fischer mit, der kommissarische 1. Vorsitzende. Erst einmal wollen wir die Jugendabteilung stärken, die 1. B-Jugend wird von uns Keglern besonders unterstützt.“

Welche Affinität haben Sie zum Fußball?

Schultze: „Eine große, ich bin oft bei Spielen dabei – auch wenn ich vom Kegeln komme und diesen Sport nach wie vor wettkampfmäßig betreibe.“

Und wann wird der Wackerweg in Alemannenweg umgetauft?

Schultze: „Das wird sicher nicht passieren, aber den Wackerweg gibt es seit ein paar Monaten nicht mehr. Der Wurmfortsatz der Kienhorststraße heißt jetzt auch Kienhorststraße, die Postadresse wurde schon geändert. Da haben die Wackeraner schon gemutmaßt, ich hätte als Vorstandsmitglied der CDU Reinickendorf-West meine Finger im Spiel gehabt, aber ich versichere hiermit: So groß ist mein Einfluss nicht.“

Interview: Bernd Karkossa

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